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Die Weisheit des friedvollen Kriegers

von Dan Millman

 

 

Im Laufe der Jahre wurde ich von vielen Lesern gebeten, die Lehren, die mein erstes Buch, „Der Pfad des friedvollen Kriegers“, enthält, zu präzisieren und näher zu erläutern. Kein Wunder, denn mitunter hat Socrates, mein damaliger Lehrer, tatsächlich ziemlich unerhörte Statements und paradoxe Hinweise von sich gegeben.


So hat er manche meiner Fragen auch nur mit einem Achselzucken beantwortet oder mit dem mysteriösen Hinweis auf die „Geschäftsregeln“. Als dann im Jahr 2006 in den USA der Film zum Buch herauskam, äußerten viele meiner Leser und Kinogänger den Wunsch, mehr über die Lehren von Socrates und den Pfad des friedvollen Kriegers zu erfahren. Mir wurde klar, dass die Zeit reif war, ein neues Buch zu schreiben um diesem Wunsch nachzukommen.

 

Es war mir schon immer wichtig, zu betonen, dass sich im „Pfad des friedvollen Kriegers“ Fakten und Fiktion, Erinnerung und Erfindung, Autobiographisches und Phantasie vermischen. Um möglichen Verwirrungen vorzubeugen, wird das Buch im Handel deshalb auch unter der Kategorie „Persönliches Wachstum/Roman“ geführt, jedenfalls in den USA.

 

Pablo Picasso hat einmal gesagt: „Kunst ist eine Lüge, die uns hilft, die Wahrheit zu erkennen.“ Dies wirft einige größere Fragen auf: Was ist eigentlich Wahrheit? Und was Wirklichkeit? Es heißt, wir sollten uns auf unsere Sinneswahrnehmungen verlassen. Dabei reflektiert doch alles, was wir wahrnehmen, nur unsere persönliche, subjektive Wirklichkeit, gefiltert durch unsere Überzeugungen, Assoziationen und Interpretationen.

 

Selbst die Intelligentesten von uns sind nicht davor gefeit, Gedrucktes oder Gefilmtes mit der Wirklichkeit, der Wahrheit, zu verwechseln. Eine Bekannte von mir hat beispielsweise erzählt, dass sie vom Balkon ihrer Wohnung in Manhattan aus miterlebte, wie die Türme des World Trade Center am 11. September 2001 in sich zusammenfielen. Da sie ihren Augen nicht traute, stürzte sie in die Wohnung und schaltete den Fernseher an, um zu sehen, ob es wirklich geschah. Ein anderes Beispiel: Wie viele von uns glauben wohl, dass hochentwickelte Yogis in der Lage sind, sich an zwei Orten gleichzeitig aufzuhalten oder in der Luft zu schweben – und zwar nicht etwa, weil wir uns persönlich davon überzeugen konnten, sondern weil wir etwas darüber gelesen oder gehört haben? Möglicherweise gibt es solche Phänomene tatsächlich. Werden sie aber dadurch „wahr“, dass jemand darüber schreibt?

 

Die Schwerkraft und andere Aspekte der Wirklichkeit existieren einfach, ob wir nun an sie glauben oder nicht. Aber in den fließenden Gewässern der Spiritualität ist es ratsam, Unterscheidungsvermögen, kritisches Denken und gesunden Menschenverstand an den Tag zu legen. Lest den „Pfad des friedvollen Kriegers“ und andere spirituelle Bücher also durchaus mit Spaß an den Geschichten, der Inspiration und den transzendentalen Hintergründen, die sie euch vermitteln, vernachlässigt aber bei allem Vertrauen auch nie den Verstand, und verlasst euch auf eure unmittelbaren Erfahrungen.

 

Am Anfang meiner Sinnsuche stand die Leere, und wie die meisten von uns, habe auch ich mich nach „mehr“ gesehnt, ohne genau zu wissen, wie ich dieses „Mehr“ ausloten oder definieren könnte. Im 19. Jahrhundert hat es der Philosoph Henry David Thoreau einmal so ausgedrückt: „Manche Menschen gehen ihr ganzes Leben lang angeln, ohne sich darüber klar zu werden, dass sie eigentlich gar keinen Fisch mögen.“

 

Was wir suchen, ist die befreiende Ahnung vom größeren Ganzen, ein Gefühl inneren Friedens und Erfülltseins, das über den Alltag hinausweist. Das ist das Ziel jeder Religion, jeglicher Spiritualität und inneren Suche. Derselbe zwingende Drang, der einst die Pioniere Amerikas nach Westen zog, lässt die Menschen heute ihr Wohl in der Weisheit des fernen Ostens suchen.

 

In den Entwicklungsländern dagegen kämpfen immer noch Millionen und Abermillionen von Menschen ums schiere Überleben. Deren primäres Anliegen ist es, nicht zu verhungern. Und „für einen Verhungernden ist das Brot Gott“, wie Mahatma Gandhi einmal sagte.

 

Wir aber, die wir das Glück haben, unter komfortableren Umständen zu leben, in denen genügend Nahrung und ein Dach über dem Kopf relativ sicher sind, haben Zeit, Muße und Energie genug, um nach Höherem zu streben – nach Erfüllung, Sinn und Selbstverwirklichung.

 

Diejenigen von uns, die es auf dem westlichen Weg der Äußerlichkeiten – Leistung, Erfolg, materieller Reichtum, Status und Besitz – besonders weit gebracht haben (oder mitbekamen, wie sehr sich die Eltern darum bemühten), fanden heraus, dass das alles zwar nicht schlecht ist, aber weder inneren Frieden noch Glücksgefühle verschafft.

 

Wir, die wir uns keinerlei Illusionen über Erfolge im Äußeren mehr machen, wenden uns eher dem nach innen gerichteten Pfad der Spiritualität zu. Geld, Besitz, Status und andere Äußerlichkeiten verlieren an Bedeutung. Wir vereinfachen unser Leben, verabschieden uns von äußerlichen Symbolen und dem ganzen Schnickschnack und suchen Antworten in uns selbst. Wir meditieren und erforschen die inneren Pfade der verschiedenen esoterischen Traditionen. Viele Suchende bekommen allerdings Schwierigkeiten mit ihren weltlichen Verantwortungen wie Miete, Haushalt, Beruf.

Der Weg des friedvollen Kriegers beinhaltet die Tugenden des Westens ebenso wie die des Ostens, das Außen und das Innen, Körper und Geist, die linke und die rechte Hirnhälfte, den Kopf und das Herz, Vernunft und Vertrauen, Wissenschaft und Mystik, sowohl moderne Technologien als auch die Weisheit der Urvölker, Konventionen ebenso wie Transzendenz. Das Leben ist kein Entweder-Oder, sondern die Integration scheinbarer Gegensätze. Als friedvolle Krieger haben wir den Kopf in den Wolken und die Füße fest auf dem Boden. Wir streben nach einem friedvollen Herzen und einem kriegerischen Geist zugleich.

 

Dieser Ansatz bietet keine Garantie für ständigen inneren Frieden oder Zufriedenheit – das wäre auch unmöglich, denn die Gefühle sind so wechselhaft wie das Wetter. Vielmehr steht er für eine realistische, ausgeglichene Lebensweise.

 

Die zeitlosen Lehren, die den Pfad des friedvollen Kriegers ausmachen, haben in den vielen Jahren, seitdem das Buch erschienen ist, nichts von ihrem Wahrheitsgehalt verloren. Und doch entspricht all das, was ich gehört, erinnert und im „Pfad“ erzählt habe, meinem damaligem Bewusstseinsstand. Nun, ein Vierteljahrhundert später, habe ich „Die Weisheit des friedvollen Kriegers“ nicht deshalb geschrieben, weil ich alles noch einmal „aufwärmen“ wollte. Ich habe mich dazu entschlossen, weil ich die Schlüsseldialoge und –szenen aus dem „Pfad“ in einer zeitgemäßen und modernen Sprache kommentieren und die ursprünglichen Lehren von Socrates vertiefen wollte. Jede nachkommende Generation ist darauf angewiesen, dass neue Stimmen unser globales Weisheitserbe in einer Sprache erinnern, die der jeweiligen Zeit und Kultur entspricht. Ich bin eine dieser Stimmen, mehr nicht.

 

Zitiert mit freundlicher Genehmigung von

Quellennachweis:
Dan Millman
Die Weisheit des friedvollen Kriegers
Die Vollendung auf dem Pfad der Selbstverwirklichung
224 Seiten, gebunden
€ 16,95
Ansata Verlag
ISBN 978-3-7787-7338-3